Süßes Nichtstun gegen schuldigen Aktionismus. Runde I.
Ich mache nichts und bin unruhig. „Ist ja Quatsch, hast du dir doch schon lange verdient“, sagt die Erschöpfung. „Los, entspannen!“, fordert die Ungeduld während mein schlechtes Gewissen ausrastet. Boom! Das Zen bekommt einen Faustschlag, der Aktionismus siegt:
Konzentriert arbeiten, Lidstrich üben, sportlich sein, smarte Argumente in der Verhandlung finden, mit Charme überzeugen, mehr Selbstoptimierung planen, überlegen sich zum Fitness-Bootcamp anmelden: Die Bikinifigur! Die Bikinifigur! Anderen das Ohr für fremde Probleme leihen, über ausschließlich grünkohl-farben Ernährung lesen, sozialen Verpflichtungen nachgehen, die eigentlich keinen Spaß machen. Fußnägel lackieren, Essenplan machen (und wieder verwerfen), über Selbständigkeit träumen, zwischenmenschliche Probleme analysieren, die nicht die eigenen sind, mit sich selbst diskutieren ob eine Diät wirklich notwendig ist, Weinwissen anlesen. Familie anrufen. Denken, denken, denken. Müde. Müde. Müde!
Timeout.
Ich merke, dass ich alles auf einmal mache, nur um nicht unruhig zu sein. Punktführung Einsicht. Also von vorne: Atempause in Child’s Pose.
Die Bäume draußen bewegen sich den ganzen Tag im Wind von rechts nach links. Manchmal kraftvoll, oft kaum merklich. „In the flow“, denke ich. Was heißt das eigentlich? Kann man zwischen seinen selbst aufgeladenen Verpflichtungen hin- und her fließen? Achtung! Die Rationalität geht in Angriffsposition.
Ich kann sehr schlecht nichts tun. Ist das Zeitverschwendung? Und was ist dann eigentlich den halben Tag Netflix gucken? Die Logik malt ein großes Fragezeichen hinter viele Gedankendinge.
Am Ende kommt die Erkenntnis immer zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Hat etwas Sinn und erfüllt dich gleichzeitig, wird es gut sein. Das Problem ist wohl, das oft eins von beidem fehlt. Und dann?
Süßes Nichtstun gegen schuldigen Aktionismus, Runde II.
